Parodontitis und chronische Erkrankungen

Oktober 1, 2024
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Die Wechselwirkungen zwischen Erkrankungen in der Mundhöhle, besonders der Parodontitis und chronischen Allgemeinerkrankungen, stehen immer mehr im Mittelpunkt der medizinischen Forschung. Am besten dokumentiert und wissenschaftlich bewiesen sind die Verknüpfungen mit Diabetes Typ II, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und rheumatoider Arthritis. 

Parodontitis und Diabetes 

Diabetes hat sich mittlerweile zu einer weltweiten Volkskrankheit entwickelt und ist die Folge eines zu hohen Blutzuckerspiegels.

Man unterscheidet 2 Typen:

Diabetes gehört zu den größten Gesundheitsproblemen der Neuzeit. Alle Länder der Erde sind davon betroffen. In 90 % der Fälle geht es um den Diabetes Typ II. Vereinfacht ausgedrückt steigt nach der Nahrungsaufnahme (besonders nach kohlenhydratreicher Kost) der Blutzuckerspiegel an. Normalerweise wird aus der Bauchspeicheldrüse Insulin ausgeschüttet. Dadurch kann eine Zuckeraufnahme aus dem Blut in die Körperzellen erfolgen. Ist dieser Prozess gestört, kommt es zuerst zu einer Insulinresistenz (Vorstufe des Diabetes Typ II) und später zum eigentlichen Diabetes Typ II. 

Veränderungen am Zahnhalteapparat 

Dafür sind mehrere Mechanismen verantwortlich: 

  1. Einmal die krankhafte Veränderung der kleinen und großen Blutgefäße (Mikro- und Makroangiopathie) durch den hohen Zuckerspiegel. Dadurch kommt es zur Minderdurchblutung und schlechten Sauerstoffversorgung der Gewebe. 
  2. Weiters kommt es zu einer sogenannten „Verzuckerung“ in Form von AGEs (Advanced glycation end-products). Dies sind veränderte Eiweißkörper, die sich in Geweben und natürlich auch im Zahnhalteapparat ablagern und entzündungsfördernd wirken. Damit wird eine bestehende Parodontitis zusätzlich verstärkt. 
  3. Bei Diabetikern mit starkem Übergewicht (Adipositas) werden sogenannte Adipokine aus dem Fettgewebe ins Parodont geschleust. Sie verstärken ebenfalls die Entzündung und den Abbau von Knochen und Gewebe. 
  4. Das alles setzt das Immunsystem und damit auch die Mitochondrien als Wächter und Energielieferanten unter permanenten oxidativen Stress. Es entsteht ein großes Defizit an Mikronährstoffen, besonders ein hoher Verbrauch von Coenzym Q10. 

Die Mitochondrien werden dadurch zusehends geschädigt und können ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Diabetes ist eine mitochondriale Erkrankung − Diabetes II begünstigt also die Entstehung, die Progression und den Schweregrad einer Parodontitis. Parodontitis-Patienten haben tiefere Zahnfleischtaschen, verstärkten Knochen- und Gewebeabbau. Dieser Prozess verläuft in der Regel sehr schnell. 

Umgekehrt erschwert die Parodontitis die richtige Einstellung des Diabetes und erhöht damit das Risiko diabetesbedingter Komplikationen. 

Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen 

Studien zeigen, dass Parodontalerkrankungen das Risiko für koronare Herzkrankheiten erhöhen. Bakterien wie Porphyromonas gingivalis und Aggregatibacter actinomycetemcomitans wurden in atherosklerotischen Plaques gefunden und können systemische Entzündungen und Thrombusbildung verursachen.

Gingipain: Ein entscheidender Virulenzfaktor von P. gingivalis ist das Enzym Gingipain. Gingipain ist eine Gruppe von proteolytischen Enzymen, die in zwei Haupttypen unterteilt werden: Arg-Gingipain (Rgp) und Lys-Gingipain (Kgp). Diese Enzyme spielen eine zentrale Rolle bei der Pathogenität von P. gingivalis, indem sie verschiedene Proteine des Wirts abbauen und die Immunantwort modulieren. Gingipain trägt zur Gewebezerstörung und Entzündung bei, indem es Immunproteine wie Zytokine und Antikörper abbaut. Darüber hinaus kann Gingipain die Integrität der Blutgefäße beeinträchtigen und die Migration von P. gingivalis in den Blutkreislauf erleichtern. 

Parodontitis und Adipositas (Übergewichtigkeit) 

Parodontitis und Adipositas sind eng miteinander verknüpfte Gesundheitsprobleme, die durch gemeinsame Risikofaktoren wie ungesunde Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel begünstigt werden. Adipositas führt zu einer chronischen, systemischen Entzündung, die durch erhöhte Spiegel entzündungsfördernder Stoffe (Zytokine) gekennzeichnet ist. Diese Zytokine schwächen die Immunantwort und machen das Zahnfleischgewebe anfälliger für Infektionen, was die Entstehung und Progression von Parodontitis fördert. Umgekehrt können die durch Parodontitis verursachten Entzündungen die Insulinresistenz erhöhen, was die Gewichtskontrolle erschwert und das Risiko für metabolische Störungen wie Diabetes Typ II erhöht. Diese wechselseitige Beeinflussung verstärkt die gesundheitlichen Risiken beider Erkrankungen. Ein ganzheitlicher Ansatz, der gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und gute Mundhygiene umfasst, ist entscheidend, um das Risiko für Parodontitis und Adipositas zu reduzieren und die allgemeine Gesundheit zu fördern. Die komplexen Wechselwirkungen zwischen beiden Erkrankungen erfordern integrierte Präventions- und Behandlungsstrategien und die Unterstützung der beteiligten Zellen durch Coenzym Q10. 

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