Ratgeber Zahnfleischerkrankungen

Dr. med. univ. Margit Schütze-Gößner
Dr. med. univ. Margit Schütze-Gößner

Frau Dr. Schütze-Gößner steht Rede und Antwort zum Thema Zahnfleischerkrankungen.

 

Frau Dr. Schütze-Gößner hat über 30 Jahre Erfahrung als niedergelassene Zahnärztin und Zusatzausbildungen in Parodontologie, ganzheitlicher Zahnmedizin, orthomolekularer Medizin, zahnärztlicher Chirurgie und Implantologie. Neben der praktischen Tätigkeit ist Frau Dr. Schütze-Gößner Referentin auf nationalen und internationalen Kongressen (z.B. Österreichischer Zahnärztekongress u.a.), sowie diversen Veranstaltungen und Autorin zahlreicher Publikationen.

 

Wie merke ich, dass ich eine Zahnfleischentzündung habe?

Sie merken es, wenn das Zahnfleisch rot und geschwollen ist und/oder beim Zähneputzen blutet. Auch wenn es beim Kauen weh tut – dies kann nur einzelne Zähne betreffen, aber auch im gesamten Oberkiefer und Unterkiefer vorhanden sein. In all diesen Fällen ist der Gang zum Zahnarzt unbedingt notwendig.

 

Wie gefährlich ist ein entzündetes Zahnfleisch?       

Jede Entzündung im Körper ist gefährlich, weil sie sich ausbreiten kann. Im Mundbereich wird die Zahnfleischentzündung durch Bakterien hervorgerufen, die sich in den Zahnzwischenräumen und in den Zahnfleischnischen stark vermehrt haben. Diese Bakterien können sich über das Blut in andere Körperteile ausbreiten und dort weitere Entzündungen hervorrufen – etwa in Gelenken, in den Gefäßen des Herzens und des Gehirns sowie in der Lunge und sie können auch Erkrankungen vorantreiben, z.B. Diabetes mellitus II.

 

Wie wird die Erkrankung Parodontitis überhaupt festgestellt?

Ihr Zahnarzt kann vorerst durch die Untersuchung am Stuhl gewisse Zeichen einer Parodontitis feststellen (Zustand des Zahnfleisches – Schwellung, Rötung, Druck mit Sondenspitze erzeugt Blutung). Des Weiteren zeigt das Röntgenbild den Verlauf des Kieferknochens und dessen Abbau. Ergänzend dazu gibt es Messmethoden, die den Schweregrad der Entzündung und des Knochenabbaus dokumentieren (Taschentiefe, etc.).

 

Ich putze 5 mal täglich meine Zähne, warum habe ich dann eine Zahnfleischentzündung?

Leider reicht oftmaliges Zähneputzen nicht aus, um eine Zahnfleischentzündung zu verhindern. Normalerweise genügt es, zweimal täglich zu pflegen. Dies aber bewusst und richtig und mit allen dazu notwendigen Hilfsmitteln. Denn man kann auch mit falscher Putztechnik eine Entzündung hervorrufen und das Zahnfleisch schädigen. Ebenso können Medikamente einen Einfluss auf das Zahnfleisch haben.

 

Wie rasch muss ich denn reagieren, wenn mein Zahnfleisch blutet?

Ich würde empfehlen sehr rasch zu reagieren. Zum Vergleich: Wie schnell würden Sie reagieren, wenn eines Ihrer Augen blutet?

 

Wie sollte denn ein richtig gesundes Zahnfleisch aussehen?

Ein richtig gesundes Zahnfleisch ist straff, rosa und liegt fest um den Zahn herum an.

Wenn ich Zahnseide verwende, blutet es! Ist das gefährlich?

Es ist sehr gut und wichtig, dass Sie Zahnseide verwenden. Auf der einen Seite könnte es sein, dass Sie die Zahnseide falsch handhaben – lassen Sie sich dies von der Prophylaxe Assistentin nochmals zeigen – auf der anderen Seite kann sich dahinter eine Entzündung verstecken. Auch hier ist die Prophylaxe Assistentin die richtige Ansprechperson.

 

Ich habe Mundgeruch, kann das von den Zähnen kommen?

Ja, denn in den meisten Fällen kommt dies von den Zähnen. In den seltensten Fällen von Hals/Nase oder Magen. Wenn aber Mundgeruch von den Zähnen ausgeht, liegt die Ursache im Zerfall vieler Fäulnisbakterien, die es sich in den Zahnfleischtaschen gemütlich gemacht haben. Hier ist dringender Handlungsbedarf für professionelle Mundhygiene gegeben. Durch Reinigung und richtige weitere häusliche Mundhygiene lässt sich dieses Problem meist sehr rasch lösen.

 

Seit ich Diabetes habe, habe ich viel mehr Zahnstein. Ist das normal?

Das ist eine Tatsache, die wir Zahnärzte kennen.  Beim Diabetes liegt eine „Überzuckerung“ vor, die für Bakterien im Mund ein Paradies darstellt. D.h. ein Diabetiker neigt sehr viel mehr als ein Gesunder zu Zahnbelag, Zahnsteinbildung und auch zur Zahnfleischentzündung. Hier ist die professionelle regelmäßige Mundhygiene unabdingbar notwendig zusammen mit der Unterstützung von Vitaminen und Spurenelementen. Besonders wichtig ist die Zufuhr von flüssigem Q10. Dies ist sogar wissenschaftlich sehr gut belegt.

 

Ich muss viele Medikamente nehmen. Ist das ein Risiko für meine Zähne?

Ja leider, denn die Nebenwirkungen der Medikamente lassen auch Zähne und Zahnfleisch nicht ungeschoren. 

Welche Medikamente Sie nehmen, sollte der Zahnarzt wissen, damit er das Risiko für Ihre Zähne besser beurteilen kann. Dann kann durch spezielle Mundhygienemaßnahmen in Verbindung mit Vitaminen und Nährstoffen das Risiko gesenkt werden.

 

Mein Partner/Partnerin hat schwere Parodontitis – kann ich das auch bekommen?

Ja, das ist prinzipiell möglich.  Vor allem durch Intimkontakte sind diverse Übertragungsarten möglich.  Aber nicht nur der Partner, auch die Kinder - vor allem Kleinkinder - sind ebenso gefährdet. Ich denke etwa an abgeschleckte Löffel und Schnuller, die als Überträger in Frage kommen. Die verschiedenen Bakterien finden hier überall große Verbreitungsmöglichkeiten. Deshalb sind Sauberkeit und ein gepflegtes Gebiss oberstes Gebot.

 

Muss ich in der Schwangerschaft eine Parodontitis befürchten, mit Zahnverlust?

In der Schwangerschaft ist durch die hormonelle Umstellung das Zahnfleisch überhaupt weicher, leichter blutend und empfindlich. Gerade in dieser Zeit ist die perfekte Mundhygiene absolute Pflicht und hat Priorität. Denn die Bakterien aus der Mundhöhle können auch das ungeborene Kind im Mutterleib schädigen. Empfehlen kann ich Ihnen hier die zusätzliche Einnahme von entsprechend notwendigen Vitaminen und Spurenelementen, besonders Q10 in Sprayform.

Ich brauche Implantate, habe aber eine Parodontitis – geht das überhaupt?

Bevor Implantate gesetzt werden, sollte eine Parodontitis vorweg ausgeheilt sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Bakterien aus den Zahnfleischtaschen sowohl in der Einheilphase der Implantate als auch in den späteren Jahren einen Implantat-Verlust verursachen können.

 

Wenn ich älter werde, bekomme ich dann automatisch eine Parodontitis?

Wenn Sie älter werden, besonders ab dem 40. Lebensjahr, lassen all Ihre Stoffwechselvorgänge ein wenig nach. Alles wird ein bisschen langsamer, nicht mehr so gut durchblutet. Meist hat man mehrere zahnärztliche Versorgungen bekommen und die Reinigung kann dadurch ein wenig schwieriger geworden sein. Es gilt hier vorzusorgen: zahnärztliche Termine regelmäßig einzuhalten und besonders die professionelle Mundhygiene in Anspruch zu nehmen. Damit kann man erste Anzeichen einer beginnenden Parodontitis erkennen und sofort gegensteuern.

 

Ist das tägliche Zähneputzen denn nicht genug, damit mein Zahnfleisch gesund bleibt?

Wenn Sie täglich zweimal die Zähne putzen, sind Sie schon sehr zu loben, denn die meisten Österreicher/innen putzen sich nur zweimal die Woche die Zähne. Es hat sich aber erwiesen, dass die Zahnbürste alleine Karies und Zahnfleischerkrankungen nicht vollständig verhindern kann. So ist die Zahnseide zur Reinigung der Zahnzwischenräume, ebenso wie Zahnzwischenraumbürstchen (oder Interdentalbürsten) für die perfekte Reinigung unerlässlich geworden. Dies besonders dann, wenn Zähne eng stehen, gekippt sind oder bei Kronen bzw. Brücken und Implantaten.

Ist eine professionelle Zahnreinigung sinnvoll und wie oft soll ich sie machen lassen?

Eine professionelle Zahnreinigung bedeutet eine sorgfältige, von einer ausgebildeten zahnärztlichen Assistentin durchgeführte Säuberung aller Zahnoberflächen von Belägen und Zahnstein. Sie beinhaltet Aufklärung und Hinweise auf richtiges Zähneputzen mit Zahnseide und Zwischenraumbürstchen und sollte ein- bis zweimal pro Jahr gemacht werden. Diese „Zahnkosmetik“ lohnt sich in jedem Fall.

 

Ich stehe vor einer Herz-OP und mein Arzt meint, ich solle mir vorher noch die Zähne anschauen lassen – warum ist das notwendig?

Wenn Sie vor einer Operation stehen – ganz egal an welchem Körperteil – ist es ganz wichtig, dass Sie sonst im Körper keine weitere Entzündung haben. Wenn also eine Zahnfleischentzündung (Parodontitis), Eiterzähne oder schwerste Karies vorliegen, dann besteht die Gefahr, dass die Bakterien aus der Mundhöhle den Heilerfolg der Herz-OP bzw. jeder anderen Operation ungünstig beeinflussen. Ein verantwortungsvoller Chirurg möchte das deshalb vorweg durch Ihren Zahnarzt abgeklärt haben.

 

Soll ich eine Handzahnbürste oder eine elektrische Zahnbürste verwenden?

Natürlich können Sie mit der Hand putzen, aber die richtige Technik mit einer Handzahnbürste ist nicht ganz leicht zu erlernen. Mit einer elektrischen Schall-Zahnbürste gelingt Ihnen eine gute Zahnreinigung viel einfacher. Allerdings sollte auch dies von Ihrem/r Zahnarzt/Prophylaxe-Assistentin für Ihre spezielle Gebisssituation gezeigt und gelernt werden.