Bessere Prognose durch Stärkung des Immunsystems

 E.A. am 27. 03. 2015, o.B.
E.A. am 27. 03. 2015, o.B.

Wo liegen die Fortschritte der adjuvanten Maßnahmen der letzten 40 Jahre, und was haben diese wirklich gebracht? Inwieweit kann die mitochondriale Medizin– z.B. mit Einsatz von Antioxidantien – als Schlüssel für künftige Erfolge dienen?

 

 

 

Werfen wir zuerst einen Blick auf eine Metaanalyse von Zaugg et al. aus dem Jahr 2014. Die Schweizer Forscher wollten herausfinden, welche Fortschritte es bei adjuvanten Maßnahmen in den letzten 40 Jahren gab. Untersucht wurden die Ergebnisse von Scaling und Root Planing (SRP) alleine, SRP und adjuvant mit Antiseptika bzw. SRP und adjuvant mit Antibiotika. Das Resümee aus der Metaanalyse war, dass adjuvante lokale oder systemische Maßnahmen die klassische nichtchirurgische Parodontitis-Therapie, SRP, zu verbessern scheinen. Jedoch zeigt keine der drei analysierten Behandlungsmethoden Fortschritte in den letzten 40 Jahren.

SRP bringt nur Teilerfolge

Dieses ernüchternde Ergebnis überrascht den praktisch tätigen Zahnarzt bzw. die Prophylaxe-Assistentin wenig. Die wechselnden Ergebnisse sehen sie in ihrer täglichen Arbeit. Vieles wird probiert, PCR und aMMP-8-Tests werden zusätzlich gemacht, ohne wirklich fundierte neue Erkenntnisse daraus gewinnen zu können. Ob eine Entzündung vorliegt und damit Handlungsbedarf besteht, sehen wir auch so. Wir wissen auch um die Mikromorphologie der Wurzeln und um den zumeist ungleichmäßig verlaufenden Taschenfundus Bescheid. Wir alle wissen, wie schwierig es ist, die Instrumente korrekt nachschärfen zu lassen. Wie soll man mit Instrumenten, die viel zu groß sind, in einem Umfeld, das man nur ertasten kann, so schonend arbeiten, dass man das Saumepithel nicht verletzt? Bereits 2009 schrieb der in Österreich als Experte sehr beliebte und sehr geschätzte Prof. Urs Saxer im „Zahnarzt“ (Prophylaxe-Sonderausgabe März 2009), dass man Zahnstein mit keinem der auf dem Markt befindlichen Instrumente, wie Ultraschallgeräte und Handinstrumente etc., zu mehr als 60 % entfernen kann. Dennoch ist die klassische Form des SRP die erste Maßnahme in der nichtchirurgischen Parodontitis-Therapie. Je nach Morphologie der Wurzeln und taktilem Feeling von uns selbst bzw. unseren Prophylaxe-Assistentinnen haben wir mehr oder minder Teilerfolge. 

Was ist an den adjuvanten Maßnahmen falsch?

Um die Frage hinlänglich beantworten zu  können, halten wir zuerst 3 Punkte fest: 1. Pathogene Mikroorganismen in einer  parodontalen Tasche können das physiologische Gleichgewicht verschieben. 2. Ohne Bakterien auch keine Gingivitis/ Parodontitis. 3. Ein empfänglicher Wirt muss gegeben sein. Jedem von uns ist klar, dass ein stabiles Immunsystem unseren instrumentellen Ansatz unterstützt und damit wesentlich zum Teilerfolg bzw. zum wechselnden Erfolg beiträgt. Dadurch sind Maßnahmen zur präventiven Stärkung des Wirts selbstverständlich. In diesem Punkt sehen wir alle breiten Konsens. Geht es aber in Richtung Interventionstherapie, wie bei rezidivierenden Entzündungen, blutenden Taschen etc., dann wird ein sofortiger Ansatz, das Immunsystem zu stärken, sträflich vernachlässigt!

Die Rolle der Lipopolysaccharide des Porphyromonas gingivalis

„Das“ Schlüsselpathogen einer chronischen Parodontitis ist der Porphyromonas gingivalis (Pg) mit seinem Lipopolysaccharid (LPS) . Es ist bekannt, dass der Pg mit seinem LPS gewebegängig ist und eine Entzündung provoziert. In der Literatur wird der pathogene Keim als potenziell gefährlicher hervorgehoben als andere, da er bereits bei geringen Mengen seine toxische Wirkung zeigt. Neu ist, dass erstmals Studien belegen, dass der Pg mit seinem LPS die Mitochondrien in den Zellen direkt schädigt. Einerseits greift die Wirtsantwort (Entzündung) schützend gegen den Pg/LPS ein, andererseits wirken Hypo-Reaktionen wie auch Hyper-Reaktionen spezieller Abläufe destruktiv und folgen einer nicht geordneten Wechselbeziehung zum Gewebe. Dies führt zu einer erhöhten Sauerstoff-Radikalbildung und damit zu oxidativem Stress. Es ist bekannt, dass eine Schädigung der Mitochondrien unseren ATP-Level sowie unsere Zellenergie negativ beeinflusst. Mitochondrien verbrennen „unsere Nahrungsenergie“ unter Zuhilfenahme von Sauerstoff und liefern uns dafür Zellenergie bzw. Lebensenergie. Kommt es nun auf Grund einwirkender toxischer Faktoren zu einer erhöhten ROS-(reactive oxygen species-)Bildung, hat die Natur den Organismus mit einem ureigenen, effektiven und antioxidativen Schutzsystem ausgestattet. Nur wenn unser eigenes antioxidatives Schutzsystem nicht in der Lage ist, effizient zu reagieren, kann daraus ein Gewebeschaden resultieren und die parodontale Destruktion vorangetrieben werden.

Coenzym Q10 bei mitochondrialen Funktionsstörungen

Diese Erkenntnisse der letzten Jahre, die ich in vielen meiner Seminare im Detail erläutere, stützen sich auf zahlreiche Studien, unter anderem jene von Prof. Wolfgang Junger (Harvard University). Anlässlich des zweiten Wiener Science Talk führte Prof. Junger aus, dass eine intakte Funktion der Mitochondrien Grundlage für eine effiziente Immunabwehr ist.


Die gute Nachricht ist, dass man mitochondrialen Funktionsstörungen, welche aus dem oxidativen Stress resultieren, entgegenwirken kann. Schalt- und Schlüsselstelle ist dabei das an zentraler Position sitzende Coenzym Q10. Es ist das einzige vom Körper selbst gebildete lipophile Antioxidans. Daran alleine können Sie die Wichtigkeit für unser Immunsystem ablesen! Folglich müssen Sie das körpereigene antioxidative Schutzsystem, welches bei erhöhtem oxidativen Stress in den Keller gefahren wird, mit Antioxidanzien substituieren. Damit dies schnell und effektiv passiert, benötigen Sie körperidentes, hochreines Coenzym Q10 (siehe Patientenfall Abb. 1–4).

Resümee für die Praxis

Prophylaxe-Assistentinnen müssen regelmäßig Fortbildungen besuchen und sollten über das bestmögliche Instrumentarium verfügen, denn die subgingivale Reinigung bleibt unverzichtbar. Als alleinige Maßnahme reicht sie aber nicht aus. Ich kann auf den PCR (Polymerase Kettenreaktion) Test und andere Tests verzichten. Verzichten Sie auch auf die chemische Keule! Sie können zur Wirtsstärkung 100 Arbeiten lesen, und es wird Ihnen dennoch keine Lösung zur zielgerichteten Sofortintervention aufgezeigt werden. Mein Modell zeigt Ihnen ein nachvollziehbares und durch meine Erfahrung bewährtes Konzept.

 

Autor: Fr. Dr. med. univ. Margit Schütze-Gößner, Attnang-Puchheim